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Kreuzfahrt Probefahrt: ADAC testet Sicherheit bei Kreuzfahrtschiffen

Kreuzfahrt Probefahrt: ADAC testet Sicherheit bei KreuzfahrtschiffenIm Rahmen der Ferienzeit testet der Automobilclub ADAC oft Autobahnraststätten, Tunnel und ähnliche auto- und straßenspezifische Einrichtungen auf Qualität und Sicherheit, um Autofahrern hilfreiche Tipps für einen entspannten Urlaub an die Hand zu geben. Dieses Jahr nahm sich der ADAC im Hintergrund der Schiffskatastrophe mit der Costa Concordia am 13.01.2012 auch der Sicherheit von Kreuzfahrtschiffen an und schickte Tester an Bord von 10 Schiffen. 

Automobilclub testet Sicherheit an Bord von Kreuzfahrtschiffen: Sicherheitsrisiko Schott-Schiebetüren

Ausgewählt für den Test des ADAC wurden 10 Kreuzfahrtschiffe, sogenannte “Ozeanriesen”, der großen Kreuzfahrtgesellschaften auf den beliebten Routen im Mittelmeer. Die Checkliste des Experten-Teams umfasste 150 Prüfpunkte und das komplette Ergebnis des Tests kann als PDF-Zusammenfassung auf der Internetseite des ADAC heruntergeladen werden. Fazit des Tests: Alle getesteten Schiffe erreichen zumindest das ADAC-Urteil “GUT”, die Sicherheit habe jedoch teilweise einige “Schönheitsfehler”. Das Gesamt-Urteil “SEHR GUT” konnten nur die beiden Schiffe AIDAbella und AIDAdiva der Reederei AIDA Cruises erreichen. Die “bella” schaffte in allen Einzelwertungen zu “Sicherheitsinformationen”, “Konstruktion und Stabilität”, “Brandschutz”, “Rettungsmittel” und “Sicherheitsmanagement” ein “SEHR GUT”, die “diva” bekam beim “Sicherheitsmanagement” nur ein “AUSREICHEND”, aber dennoch die Gesamt-Note “SEHR GUT”. Die Costa Serena der Unglücks-Reederei Costa Crociere erhielt als einzige gar keine Gesamt-Wertung, da nach dem anonymen Teil des ADAC-Tests der Kapitän die weitere Zusammenarbeit verweigert habe, ein “Mißverständnis” wie es seitens der Reederei heißt. Umso verwunderlicher, da der deutsche Marktführer und “Testsieger” AIDA Cruises eigentlich eine Tochtergesellschaft der italienischen Costa-Reederei ist und auch das Schwesterschiff Costa Fascinosa “GUT” bewertet werden konnte.

Video des ADAC zur Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen: Überblick über den Test

Vorschau zeigt 2D Video. Vollbild ggf. unten in Videoleiste aktivieren. Kein 3D Video.

Seenotrettungsübung auf vielen Schiffen / Kreuzfahrtschiffen nicht zufriedenstellend

Auf der MSC Fantasia und der MSC Splendida der Reederei MSC Crociere, der Norwegian Epic von Norwegian Cruise Lines und der Navigator of the Seas von Royal Carribean Cruises ließen nach Angaben der ADAC-Tester die Seenotrettungsübungen zu wünschen übrig, welche seit der Katastrophe der Costa Concordia noch vor dem Auslaufen der Schiffe aus dem Abfahrthafen durchgeführt werden. Teilweise seien schlicht die Anweisungen für die Passagiere zu oberflächlich gewesen, teilweise habe man die Passagiere nicht mit dem nötigen Nachdruck zur Teilnahme an der verpflichtenden Übung aufgefordert, so der aktuelle Bericht des ADAC.

Wasserdichte Schotten nicht immer geschlossen: Ausnahmegenehmigungen sollten verboten werden

Noch gravierender und im Ernstfall lebensbedrohlich ist jedoch bei insgesamt 5 Schiffen des Tests (MSC Fantasia / Splendida / Orchestra, Adventure of the Seas und Norwegian Epic) die zeitweise Öffnung der wasserdichten Schott-Schiebetüren durch entsprechende Ausnahmegenehmigungen der jeweiligen Flaggenstaaten. Unterhalb der Wasserlinie befinden sich an Bord der Kreuzfahrtriesen viele logistische Einrichtungen wie z.B. die Wäscherei, Küche oder auch Lagerräume. Zur Erleichtung von Abläufen für die Crew kann vom jeweiligen Land, dessen Flagge das Schiff trägt, die Genehmigung erteilt werden, die lebenswichtigen Schotten auch auf See nicht ständig geschlossen halten zu müssen. Diese sollen jedoch gerade im Falle einer Havarie wie bei der Costa Concordia verhindern, dass sich durch eine Rumpf-Beschädigung eindringendes Wasser im gesamten Schiff ausbreitet und es dann irgendwann zu sinken beginnt. Diese lebenswichtige Aufgabe können die Schotten jedoch nur erfüllen, wenn sie während der gesamten Reise permanent geschlossen bleiben und nur im Ausnahmefall geöffnet werden.

Die “International Convention for the Safety of Life at Sea” (SOLAS) ist eine Konvention der UN zur Schiffssicherheit und sollte als Konsequenz aus dem Untergang der Titanic vor ca. 100 Jahren Mindeststandards für Handelsschiffe sicherstellen. Die SOLAS-Bestimmungen wurden mehrfach überarbeitet und nach Angaben von Prof. Dr. Ing. Stefan Krüger des “Institut für Entwerfen von Schiffen und Schiffssicherheit” an der Technischen Universität (TU) Hamburg-Harburg zuletzt dahingehend “verwässert”, dass die vorhergehenden Bestimmungen zu den wasserdichten Schott-Schiebetüren ersatzlos gestrichen wurden. Neben der bisherigen Möglichkeit zu Ausnahmegenehmigungen äußert sich die SOLAS nun gar nicht mehr konkret dazu, ob und wann die Schotten zu schließen sind.

Mit der Problematik der offenen Sicherheitsschotten an Bord von Kreuzfahrtschiffen beschäftigen sich auch die Redakteure Carsten Rüger und Nicolai Piechota im Rahmen ihrer Dokumentation Ahoi und Alarm! – Wie sicher sind Kreuzfahrtschiffe? des Magazin-Formates ZDFzoom. Ein großes Kreuzfahrtschiff wie z.B. die Allure of the Seas beherbergt mit ca. 5.400 Passagieren und 2.100 Besatzungsmitgliedern an die 7.500 Personen. Prof. Krüger meint hierzu: “Man darf niemals evakuieren müssen, weil man das praktisch gar nicht schafft.”. Eben deshalb müsse ein Schiff eine Havarie möglichst lange überstehen, ohne zu sinken. Im Rahmen der Recherchen wird klar, dass die Schott-Schiebetüren der Costa Concordia zum Zeitpunkt des Unglücks geöffnet waren und erst nach ca. 40 Minuten die Anweisung erteilt wurde, sie zu schließen – da war es aber schon zu spät und das Sinken des Schiffes nicht mehr aufzuhalten. Um Schiffs-Besatzungen auf solcherlei Ernstfälle vorzubereiten, bietet ein “Maritimes Kompetenzzentrum” in Elsfleth an der Weser (nicht “Elsfleht” wie im Beitrag angezeigt) ein weltweit einzigartiges Basic Safety Training als 2wöchigen Kurs zum Preis von 650 € pro Person an. Nur wenige Reedereien leisten sich jedoch den “Luxus” einer solchen Schulung. Gerade Küchenpersonal wird häufig von externen Dienstleistern rekrutiert und verfügt dann nicht über eine entsprechende Sicherheitsgrundausbildung, die im Ernstfall Menschleben retten könnte. Als Beispiel für Ausnahmegenehmigungen zur Öffnung der wasserdichten Schotten benennen die ZDF-Redakteure z.B. das Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 2 von TUI Cruises und die Reederei bestätigte auf Anfrage die Gültigkeit der Ausnahmegenehmigung der maltesischen Behörden.

AIDA Cruises scheint auch diesbezüglich das “SEHR GUT” des ADAC zu rechtfertigen. Zum Thema “Sicherheit an Bord” äußert sich die Gesellschaft unmißverständlich: “Auf den Schiffen der AIDA Flotte gibt es keine flaggenstaatlichen Ausnahmegenehmigungen für das zeitweilige Fahren mit offenen, wasserdichten Türen.”

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